09.
Nov
2009
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Interkulturell orientiertes Qualitätsmanagement

"Eine Vermengung verschiedener Kulturen kann nur Gutes bewirken.
Die Welt ist ein Garten mit Tausenden von Blüten
und ihre Düfte verstärken sich gegenseitig."
Yasar Kemal, Interview in "La Repubblica" vom 2.9.2002

1. Vision

2. Profil

3. Prinzipien

4. Arbeits- und Organisationsleitlinien

5. Ziele

1. Vision

Die IG hat die Vision von einer Gesellschaft gleichberechtigter Bürger/-innen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit und ihrer kulturellen Verschiedenheit.

Das in der Vereinssatzung verankerte Ziel der IG ist, Integration durch Bildung zu erreichen. Deutsche Sprachkenntnisse und Mehrsprachigkeit zählen dabei zu den grundlegenden Kompetenzen für eine Integration in multikulturelle Lebens- und Arbeitswelten. Die IG will durch ihre Aktivitäten erreichen, dass der Zugang zu Bildungsressourcen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene beider Geschlechter geöffnet ist.

Interkulturelles Leben braucht städtische Inseln, wo die kulturellen Bedürfnisse der Minderheiten zum Ausdruck gebracht werden können und ein selbstbestimmter Austausch zwischen den Kulturen stattfinden kann. Die IG als Ort der Begegnung ist eine solche städtische Insel. Die Besucher/-innen, Nutzer/-innen und Mitarbeiter/-innen sind unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft. In allen Projekten werden die vorhandenen Talente und Potenziale der Teilnehmer/-innen gestärkt und gefördert. Alle Konzepte und Leistungen der IG sind interkulturell ausgerichtet.

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2. Profil

Die IG engagiert sich für eine Politik der Anerkennung und Wertschätzung kultureller Ausdrucksformen. Für die IG ist Kultur kein statischer Zustand, sondern ein von Menschen veränderbarer und die Menschen verändernder Prozess. Die produktive Auseinandersetzung mit kulturellen Differenzen und der Abbau sozialer Benachteiligungen unterliegen langwierigen Lernprozessen: Integration braucht Zeit.

Die IG ist offen gegenüber Menschen aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Sprachen, Kulturen und Traditionen.

Die IG begegnet den Besucher/-innen und Nutzer/-innen der IG-Einrichtungen mit Respekt und fördert den gegenseitigen Austausch.

Die IG engagiert sich für demokratische Beteiligungsmöglichkeiten und Gleichberechtigung von ethnischen Minderheiten.

Eine soziale und kultu-relle Integration beruht auf Gegenseitigkeit und ist für die IG nur durch das Engagement aller Bürger/-innen vorstellbar.

Die IG ist sozial. Sie bietet Einzelpersonen, Familien und Gruppen Hilfen an, um die Bildungs- und Informationsdefizite von Zu- und Einwander/-innen auszugleichen.

Individuelle Fähigkeiten der Migrant/-innen, Selbsthilfe und Selbstorganisation werden gestärkt und gefördert.

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3. Prinzipien

Die Einwanderungssituation erfordert soziale Integrationsmaßnahmen und interkulturelle Verständigungsarbeit.

Zudem ist eine migrationspezifische Ausgestaltung der Bildungsangebote beim Spracherwerb und bei der schulischen und beruflichen Ausbildung notwendig, um auf die besondere Lebenslage von Migrant/-innen gezielt eingehen zu können.

Das bedeutet im Einzelnen:

- Bildungsbenachteiligungen aufheben, d.h.: Chancengleichheit in Kindergarten, Schule und Beruf durch schul- und berufsbegleitende Hilfen herstellen
- Gleichberechtigte Partizipation und Mitbestimmung im Verein realisieren, d.h.: Demokratie nach innen und außen erlebbar machen
- Ethnisch-kulturelle Netzwerke von Migrantenfamilien unter-stützen und fördern,d.h.: Selbsthilfe, Eigenverantwortlichkeit und Bürgerengagement stärken
- Benachteiligung und Ausgrenzung öffentlich machen,d.h.: defizitäre Bildungspolitik anmahnen und gleiche politische Rechte einfordern
- Kulturelle Unterschiede wahrnehmen, erklären und vermitteln, d.h.: ein gleichberechtigtes interkulturelles Miteinander ermöglichen

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4. Arbeits- und Organisationsleitlinien

Interkulturelle Kommunikation

In der interkulturellen Arbeit der IG stehen kommunikative Beziehungen und personenbezogene Dienstleistungen im Vordergrund.

Die von Migrant/-innen häufig erlebte Verunsicherung, die der Einwanderungsprozess mit sich bringt, bedarf des Gegengewichts der Bestärkung und Ermutigung bei der Teilnahme an den Integrationsmaßnahmen.

Ein gleichberechtigter Kommunikationsstil, basierend auf den Regeln des interkulturellen Dialogs, charakterisiert den Arbeitsstil der IG-Mitarbeiter/-innen.

Er zeichnet sich durch Freundlichkeit, Verlässlichkeit und fachliche Kompetenz aus.

Die Mitarbeiter/-innen haben vielfach fremdsprachliche Kenntnisse und sind mit den unterschiedlichen kulturellen Traditionen der Besucher/-innen und Nutzer/-innen vertraut.

Partizipation

Die IG ist eine Organisation, die offen ist für die Beteiligung und Mitwirkung in allen Projekten und auf der Ebene des Vereins.

Die IG tritt für gleiche soziale und politische Rechte für Einwanderer/-innen ein und kämpft aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus.

Da Migration in der Regel ein Familienprojekt ist, ist die Stärkung und Stabilisierung sowohl der/s einzelnen Migrantin/en wie der Migranten-familien für die IG verpflichtend.

Die IG befähigt die Migrant/-innen zur Selbsthilfe und fördert die Selbstorganisation der Zuwander/-innen.

Mitarbeiter/-innenorientierung

Die spezifische Arbeitsatmosphäre der ehrenamtlichen, freiberuflichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen basiert auf folgenden Kriterien:

- die Mitarbeiter/-innen verfügen über interkulturelle Kompetenz
- die Zusammensetzung der Teams ist multikulturell
- die Zusammenarbeit gestaltet sich über eine flache Hierarchie
- die Mitarbeiter/-innen und Projektteams tragen durch dezentrale Strukturen individuelle Verantwortung und Selbstständigkeit
- die Mitarbeiter/-innen sind an allen Entscheidungen beteiligt
- die Mitarbeiter/-innen handeln engagiert, verantwortungs- und qualitätsbewusst

Kooperation und Vernetzung

Kooperationsbeziehungen und die Vernetzung mit anderen Bildungs- und Sozialeinrichtungen in München sind für den Erfolg der Integrations-maßnahmen und für die Öffentlichkeitsarbeit von entscheidender Bedeutung. Die IG als Teil der Migrationsozialarbeit in München wird auch bei wachsender Konkurrenz der sozialen Einrichtungen untereinander ein vertrauenswürdiger, zuverlässiger und solidarischer Partner bleiben und weiterhin migrations- und sozialpolitische Impulse geben.

Sozialpolitische Interessenswahrnehmung

Die IG als Interessensvertreter für die Belange der Migrant/-innen will ihre Unabhängigkeit gegenüber den Wohlfahrtsverbänden bewahren, um über-parteilich und überkonfessionell sein zu können. Das Verhältnis zu Vertreter/-innen aus Politik, Parteien, Verwaltung und Wirtschaft, sowie gegenüber privaten Spendern und Mitgliedern ist vorbehaltlos und offen.

Qualitätsmanagement

Die Qualitätsmerkmale der Organisationsstruktur der IG sind im QM-Handbuch niedergelegt. Verwaltungsabläufe sind für die Nutzer/-innen und Besucher/-innen der Einrichtung weitgehend unsichtbar und werden formal auf das notwendige Maß reduziert. Sie sind unter Beteiligung der Mitarbeiter/-innen effizient und nachvollziehbar gestaltet.

Das Qualitätsmanagement in der IG trägt einige Besonderheiten, die den Initiativ-Charakter bestätigen und interkulturell ausgerichtet sind

- durch die bewusste Entscheidung der Einrichtung, Unterschiede, die sich aus der kulturellen Vielfalt der Nutzer/-innen und Besucher/-innen ergeben, in die Organisationskultur einzubeziehen im Unterschied zu rigider Durchsetzung von mehrheitskulturellen Organisationsinter-ressen

- durch die Betonung personenorientierter Dienstleistungen in der interkulturellen Verständigungsarbeit im Unterschied zu ausschließlich technisch-operativen QM-Standards

- durch die Beibehaltung dezentraler Strukturen und demokratischer Beteiligung der Mitarbeiter/-innen und Kund/-innen im Unterschied zu hierarchischen QM-Konzepten

- durch ein QM-Verständnis, das eine einrichtungs- und migrations-spezifische Ausprägung der Angebote und Leistungen erlaubt im Unterschied zu zentral vorgegebenen standardisierten Dienst-leistungen

- durch die Behauptung der Eigenständigkeit der IG gegenüber formalistischen QM-Normen, die den interkulturellen Ansprüchen nicht gerecht werden.

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5. Ziele

Im Hinblick auf das Zuwanderungsgesetz, die Agenda 2010, die Veränderungen im Schulsystem und die EU-Erweiterung werden in den kommenden Jahren folgende Themen die IG herausfordern:

Ein wachsender Assimilierungsdruck gegenüber ethnischen Minderheiten durch politische Programmatiken und staatliche Integrationsinstrumente.

Die IG will kulturell unterschiedliche Lebenswelten in München erhalten, öffnen, weiter entwickeln und durch interkulturelle Verständigung transformieren.

Die Gefahr der Zentralisierung, Bürokratisierung und Vereinheitlichung der Integrationsmaßnahmen.

Die IG will ihre Unabhängigkeit und ihren Initiativ-Charakter beibehalten, da nur Bürgerengagement flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann. Auch bei Öffnung der sozialen Regeldienste für Personen auslän-discher Herkunft sind migrationspezifische Einrichtungen und Dienste wie die IG als gleichberechtigter Teil der sozialen Infrastruktur unverzichtbar.

Die Tendenz, die gesetzlich verankerte Kinder- und Jugendhilfe zugunsten des formellen Regelschulsystems zurück zu drängen.

Die IG als Träger der freien Jugendhilfe will weiterhin einen eigenständigen Beitrag zu interkulturellem und selbstbestimmtem Lernen für Kinder und Jugendliche leisten.

Die in der Pisa-Studie konstatierte Bildungsmisere bestätigt die Tendenz der Benachteiligung und Ausgrenzung sozialer und ethnischer Minderheiten durch das Schulsystem.

Die IG wird ihre außerschulischen Fördermaßnahmen weiterhin anbieten und fortschreiben, um Bildungsdefiziten entgegenzuwirken. Die IG wird sich dafür einsetzen, dass Mehrsprachigkeit aufgewertet und schulische Segregation aufgehoben wird. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Bildung mehr ist als nur das Erreichen von formalen Abschlüssen, wird sich die IG einsetzen für ein ganzheitliches, die persönliche Entwicklung unterstützendes interkulturelles Lernen.

Die EU-Erweiterung und neue Formen der Zu- und Einwanderung führen dazu, dass die multikulturellen Lebenswelten in München vielfältiger werden.

Die IG als ein Ort der interkulturellen Begegnung und Bildung will die neuen Herausforderungen annehmen: Die IG stellt Migrant/-innen und Deutschen ohne Migrationshintergrund ihre Erfahrungen und Kompetenzen zur Verfügung und bezieht beide Gruppen in das Angebotsspektrum ein. Die IG bietet sich der Politik und Verwaltung im Hinblick auf Integrations-maßnahmen weiterhin als Partner an.

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